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so, und weiter gehts

„Nein, mach dir keine Sorgen, alle im Dorf sind wohlauf,“ erklärte Laak und legte Andras beruhigend die Hand auf den Arm. Zusammen gingen sie zu Jahran hin, Laak schlug vorsichtig den Umhang zurück und Andras konnte sich einen, halb erstaunten, halb entsetzten Laut nicht verkneifen.
In Jahrans Armen lag eine junge Frau, sie konnte erst neunzehn oder zwanzig Jahre alt sein. Ihr Gesicht war gerötet und glänzte vor Schweiß und Andras musste nur einen kurzen Blick auf sie werfen um zu erkennen, dass sie sehr hohes Fieber hatte. Was ihn aber so erschrocken hatte, war die Tatsache, dass ihr Gesicht, das völlig hohl und ausgemergelt aussah, von tiefen Wunden überzogen war. Getrocknetes Blut klebte auf ihren Wangen, ihrer Stirn und an ihrem Kinn. Sie rang verzweifelt nach Atem und ein kleines Rinnsal Blut lief aus ihrem Mundwinkel. Andras wandte den Blick von ihrem Gesicht ab und dabei überlief ihn ein Schauer: Die Frau war hochschwanger. Es konnte nur noch eine Frage von Stunden sein, bis sie ihr Kind zu Welt bringen würde.
Er spürte, wie er wütend wurde und seine Stirn färbte sich dunkelrot. „Wer bei allen Geistern hat ihr das angetan?! Ich werde....“ Er biss sich auf die Lippen und versuchte sich zu beherrschen. Dann blickte er Laak an. „Wer ist sie? Und was ist mit ihr passiert?“
Laak zuckte die Schultern. „Ich weiss es nicht. Sie muss wohl jemand von der Welt draußen sein und hat es irgendwie durch den Wald geschafft. Sie schleppte sich den Weg entlang und Jahran und ich sahen sie zufällig, weil wir das Dach des Pferdestalls reparierten. Als wir ihre Verletzungen sahen, brachten wir sie so schnell wie möglich zu euch, denn in diesem Zustand wird sie nur Soe heilen können.“
„Unglücklicherweise ist Soe grade damit beschäftigt, unser Kind auf die Welt zu bringen,“ erwiderte Andras, runzelte die Stirn und überlegte einen Moment, was nun zu tun sei. „Hier kann sie auf jeden Fall nicht bleiben,“ erklärte er schließlich. „Lasst uns sie in den Saal bringen, dort ist es wenigstens einigermaßen warm. Ich werde voran gehen und werde mich um meine Kinder kümmern.“
Er lief zurück in den Saal und fand Susann schlafend neben ihrer Schwester. Er schüttelte sie beide vorsichtig und rief ihre Namen. Nach einiger Zeit bewegten sie sich schlaftrunken und gähnten. Doch Susann, der schlagartig wieder einfiel, warum sie denn heute Abend so lange aufblieben durfte, war mit einem Schlag hellwach, setzte sich auf und sah Andras aufgeregt an. „Hat Mammi endlich ihr Kind bekommen?“ wollte sie wissen.
Andras, der die immer noch völlig schläfrige Maja von der Bank zog und auf ihre Füße stellte, schüttelte den Kopf. „Nein, nein, ich habe nur grade beschlossen, dass es besser ist, wenn ihr zwei doch schon einmal ins Bett geht. Komm, komm.“ Er stubste Susann in den Rücken. „Beeilt euch, bevor ihr wieder einschlaft. So, nimm Maja an die Hand und geht in euer Zimmer!“
Susann ergriff Maja, der bereits wieder die Augen zufielen, gehorsam an der Hand doch bevor sie beide zur Tür gingen, warf sie Andras einem vorwurfsvollen Blick zu, der ihm klarmachen sollte, dass sie ihm kein Wort glaubte und er sich später noch auf eine Menge Fragen einstellen konnte.
Andras drängte sie zur Tür und wartete, bis sie die Treppe hinauf und auf dem Flur verschwunden waren, dann winkte er Jahran und Laak zu, die in einer dunklen Nische standen.

Im Saal legten sie die Frau vorsichtig auf den Tisch, befreiten sie von dem nassen Umhang und zogen ihr die Schuhe aus. Als die Frau die Wärme spürte, öffnete sie die Augen und blickte mit einem stumpfen, glasigen Blick an die Decke. Dann krümmten sie sich plötzlich und stieß einen Schrei aus.
„Bei den Geistern, sie bekommt das Kind,“ rief Jahran und Andras überlegte blitzschnell. „Bleibt ihr hier bei ihr!“ ordnete er an und dann lief er eiligst aus dem Saal die Treppe hinauf und klopfte an die Tür, hinter der Soe, seine Frau, schon seit heute Morgen in den Wehen lag. Er klopfte so heftig an die Tür, dass das Holz unter seiner Faust fast zersplittert wäre. Eilige Schritte näherten sich und Margen öffnete die Tür. „Was gibt es denn?“ wollte sie ungehalten wissen. „Du weißt ganz genau, dass du hier nicht hereinkannst. Soe wird...“
„Darum geht es doch gar nicht!“ rief Andras. „Unten liegt eine Frau, die ebenfalls kurz vor der Geburt steht und ich brauche dringend Hilfe dabei!“
Margen runzelte die Stirn und wollte etwas sagen, doch dann blickte sie in Andras gehetztes Gesicht und entschied sich dagegen. „Warte einen Moment!“ befahl sie, dann schloss sie die Tür und kam wenig später mit einem kleinen Korb in der Hand wieder heraus. Andras versuchte, ob er einen Blick auf seine Frau erhaschen konnte, aber Margen schloss die Tür schnell wieder hinter sich. Sie ging zur Treppe und Andras folgte ihr eilig.
„Nun erzähl mir doch mal bitte, um welche Frau es sich da handelt,“ verlangte Margen, während sie die Treppe hinunter stiegen.
25.5.06 22:07
 


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